Tommaso Campanellas "Sonnenstaat: Idee eines philosophischen Gemeinwesens" entwirft in dialogischer Form das Bild einer streng geordneten, wissensgeleiteten Utopie. Auf einer Insel begegnet der Leser einem Gemeinwesen, in dem Eigentum, Erziehung, Arbeit und Fortpflanzung dem Gemeinwohl unterstellt sind und die Herrschaft von Weisen ausgeübt wird. Der Stil verbindet scholastische Systematik, humanistische Gelehrsamkeit und frühneuzeitliche Staatsphantasie; literarisch steht das Werk in der Nachfolge von Platons "Politeia" und Thomas Morus' "Utopia", zugleich aber im Horizont naturphilosophischer und astrologischer Spekulationen des 17. Jahrhunderts. Campanella, dominikanischer Mönch, Philosoph und politischer Denker aus Kalabrien, schrieb unter dem Eindruck religiöser Konflikte, spanischer Herrschaft in Süditalien und eigener Verfolgung. Seine jahrelange Haft prägte den Entwurf eines Gemeinwesens, in dem Wissen, Frömmigkeit und Ordnung eine neue Einheit bilden sollten. Der "Sonnenstaat" ist daher nicht bloß Fluchtbild, sondern Antwort auf Krise, Korruption und Unwissenheit seiner Zeit. Empfohlen sei dieses Buch allen, die die Geschichte politischer Ideen, utopischer Literatur und frühneuzeitlicher Wissenschaft verstehen möchten. Es fordert Zustimmung wie Widerspruch heraus und bleibt gerade deshalb ein Schlüsseltext europäischer Staatsphilosophie.