Rilla auf Ingleside, der abschließende Band des Anne-Zyklus, verlagert den Blick von Anne Shirley auf ihre jüngste Tochter Rilla Blythe und macht den Ersten Weltkrieg zum Prüfstein einer scheinbar geschützten Kindheit. In der vertrauten Landschaft von Prince Edward Island erzählt Montgomery von Reifung, Verlust, patriotischer Pflicht und häuslicher Solidarität. Ihr Stil verbindet empfindsame Charakterzeichnung, klare moralische Beobachtung und lyrische Naturbilder mit einer ungewöhnlich nüchternen Darstellung der Kriegsfolgen im kanadischen Hinterland. Lucy Maud Montgomery, 1874 auf Prince Edward Island geboren, schöpfte zeitlebens aus der Topographie, den sozialen Milieus und den Erinnerungsräumen ihrer Heimat. Als international erfolgreiche Autorin von Anne auf Green Gables kannte sie die Erwartungen an idyllische Mädchenliteratur, durchbrach sie hier jedoch bewusst. Die Erfahrungen der Kriegsjahre, persönliche Belastungen und ihr scharfes Interesse an weiblichen Lebensentwürfen prägen diesen Roman sichtbar. Empfohlen sei dieses Buch nicht nur Liebhabern der Anne-Reihe, sondern allen Leserinnen und Lesern, die historische Jugend- und Familienliteratur in ihrer ernsten Form schätzen. Rilla auf Ingleside zeigt, wie große Geschichte in Küchen, Gärten und Briefen gegenwärtig wird, und bewahrt dabei Wärme, Würde und erzählerische Präzision.