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Arno Borst (1925-2007) war neben Huizinga, Marc Bloch und Duby einer der wirkungsmächtigsten
europäischen Historiker des 20. Jahrhunderts.
Der gebürtige Franke studierte in Göttingen und München, habilitierte sich in Münster und wurde
nach einer ersten Professur in Erlangen 1968 an die neu gegründete Reformuniversität Konstanz
berufen.
Seine öffentlichen Vorlesungen über Mittelalter, Mönche und Klöster am Bodensee waren ein Pub-
likumsmagnet: weil ein überragender Sachkenner anschaulich und fesselnd erzählte.
Arno Borst gelang ein wohl einmaliger Erfolg: Mit Büchern wie 'Lebensformen im Mittelalter' (dt. Auflage weit über 100 000) und 'Computus. Zeit und Zahl in der Geschichte Europas' (übersetzt ins Englische, Italienische und Türkische) interessierte er ein breites Lesepublikum für geschicht-
liches Denken. Mit historischen Einzelstudien ('Die Katharer', 'Der Turmbau zu Babel') errang
er die höchsten Auszeichnungen seines Fachs.
Zugleich wurde seine Sprachkraft weit jenseits der Mediävistik ausgezeichnet (Sigmund-Freud-
Preis für wissenschaftliche Prosa, Brüder-Grimm-Preis, Bodensee-Literaturpreis).
Als ihm 1996 der 'Nobelpreis für Historiker', der internationale Balzan-Preis, überreicht wurde, investierte er große Teile des Preisgeldes in die 'Arno-Borst-Stiftung zur Förderung der mediävisti-
schen Geschichtswissenschaften'. |